Historischer Rückblick

  • Das Toleranzpatent Kaiser Josephs II trifft in Reutte erst am 24. April 1782 ein. Unter anderem wird den Augsburgischen und Helvetischen Religionsbekenntnissen, wie den nicht unierten Griechen die private Religionsausübung gestattet.

  • Protestantenpatent- allen Konfessionen sollen im ganzen Kaiserstaate gleiche Rechte eingeräumt werden.

  • In Innsbruck und Meran entstehen die ersten evangelischen Gemeinden, die jedoch 1877 vom Katholischen Politischen Verein für Reutte und Umgebung angefeindet werden, da man meint, dass das Land Tirol nur in der Glaubenseinheit weiter bestehen könne.

  • Reutte wird erste Predigtstation der Innsbrucker Evangelischen Gemeinde. Gottesdienste werden im Betsaal der Spinnerei Reutte gehalten. Die kirchliche Betreuung erfolgt fast ausschließlich von der evangelischen Nachbargemeinde Füssen-Allgäu. Gottesdienste können in Reutte nur an katholischen Feiertagen abgehalten werden, da die evangelischen Pfarrer in Füssen an Sonntagen für ihre eigene Gemeinde sorgen müssen. Wegen mangelhafter Verkehrsverbindungen von und nach Innsbruck kommt der zuständige Innsbrucker Pfarrer, Arnold Wehrenfennig, der von 1895-1924 wirkte, niemals nach Reutte.

  • Nach Kriegsbeginn bricht die Verbindung nach Füssen ab.

  • Erst am 8.12. dieses Jahres, an einem katholischen Feiertag, findet in Reutte wieder ein evangelischer Gottesdienst statt. Durch die Entstehung des Metallwerkes Plansee in Reutte ziehen evangelische Familien aus Norddeutschland zu. Die Gemeinde wächst. Der Innsbrucker Pfarrer Dr. Ludwig Mahnert hält einmal monatlich einen Gottesdienst in Reutte. Ein evangelischer Vikar aus Innsbruck erteilt alle zwei Wochen Religionsunterricht in Reutte.

  • Erste Konfirmation in Reutte.

    Die Gottesdienste finden bei evangelischen Gemeindegliedern statt:

    Im Lesesaal des Hotels Tirolerhof, bei Familie Bunte, in der Diele der Reuttener Villa von Dir. Lenke, im Metallwerk Plansee.

    Generaldirektor Nahlovsky von der Reuttener Spinnerei, bietet der evangelischen Gemeinde Reutte kostenlos einen Baugrund für den Kirchenbau an. Der Zweite Weltkrieg vernichtet alle Hoffnungen auf einen Kirchenbau. Geld und Bauplatz gehen verloren.

  • Im Mai kommt Pfarrer Gottfried Fries nach Reutte, dessen Tatkraft der Kirchenbau in Reutte zu verdanken ist. Er unternimmt zur Finanzierung Vortragsreisen nach Deutschland. Die Familie Engel aus Reutte unterstützt durch ihre Konzertreisen (bis nach Holland) maßgeblich dieses Bauvorhaben. Finanzielle Hilfe leisten das Gustav-Adolf-Werk und die Evangelische Kirche in Deutschland, weiters der Österreichische Gustav-Adolf-Verein und die öffentliche Hand.

  • Im November wird der Grundstein zum Kirchenbau gelegt. Die Planung liegt in Händen des Architektenpaares Pfeiler in Innsbruck.

  • 1. 6. Sonntag Trinitatis, die evangelische Kirche in Reutte, die den Namen Dreieinigkeitskirche Reutte erhält, wird in Beisein von Superintendent Wilhelm Mensing-Braun, Linz und Bischof Dr. Gerhard May, Wien, sowie zahlreicher Pfarrer und Festgäste aus dem In- und Ausland eingeweiht.

  • Pfarrer Werner Wehrenfennig kommt nach Reutte. Unter seiner Amtszeit wird Reutte definitiver Sitz der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Tirol-West, die mit einer Fläche von 4500 km2 (drei politische Bezirke: Reutte, Imst, Landeck) die mit Abstand größte Gemeinde der Evangelischen Kirche in Österreich war.

  • Am 14.12. kommt Pfarrer Andreas Domby nach Reutte. Er war vorher Pfarrer in Siebenbürgen. Während seiner Amtszeit bekommt die Dreieinigkeitskirche eine neue Orgel. Ein Gemeinderaum wird an die Kirche angebaut.

  • Die zweite systemisierte Pfarrstelle von Reutte in Landeck, die 10 Jahre lang vakant war, erhält mit Pfarrer Richard Rotter ihren ersten eigenen Pfarrer.

  • Pfarrer Mathias Stieger kommt nach der Übersiedlung von Pfarrer Domby nach Klagenfurt aus Siebenbürgen nach Reutte und ist seitdem Pfarrer dieser Gemeinde.