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Chalupka: “Kirche bringt viel mit, um Herausforderungen zu meistern”

Wien (epdÖ) – Mit einem Online-Event ist am Dienstag, 4. Mai, der kirchliche Entwicklungsprozess “Aus dem Evangelium leben” gestartet. Mehr als 220 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten einen ersten Einblick in die Ziele des auf drei Jahre angelegten Prozesses. Bis 2024 sollen Pfarrgemeinden, Initiativen und Regionen Projekte entwickeln, die die evangelisch-lutherische Kirche “zukunftsfähig” machen, so Bischof Michael Chalupka bei der Präsentation: “Unsere Kirche steht vor großen Herausforderungen und bringt viel mit, um diese Herausforderungen zu meistern”. Mit dem Evangelium sei der Kirche und den Menschen ein Schatz gegeben: “Deshalb heißt dieser Prozess ‘Aus dem Evangelium leben’. Wir wollen dort ansetzen, wo Menschen mit dem Evangelium leben, um diesen Schatz zu heben.”

Konkret soll das in Projekten in drei inhaltlichen Schwerpunktbereichen geschehen, für die sich Gruppen als “Erprobungsräume” bewerben können: Dabei geht es um Dienstgemeinschaften, regionale Kooperationen, und die Stärkung der österreichischen protestantischen Identität. Man hoffe, dass dadurch das geistliche Leben gestärkt werde und eine Entlastung für Haupt- und Ehrenamtliche stattfinde. Auch die “Verfasstheit der Kirche” solle infrage gestellt, die Attraktivität der kirchlichen Arbeitsfelder gesteigert, neue Finanzquellen erschlossen und Schlüsse für die Zukunft gezogen werden, so Chalupka.

Der Pfarrer und Theologe Patrick Todjeras managt den Prozess. Er betonte, man wolle “mit dem Vorhandenen arbeiten, das Vorhandene stärken”. Dazu gebe es zum einen gesamtkirchliche Arbeitsgruppen, zum anderen lokale und regionale “Erprobungsräume”, die mit ihren Projekten “alternative, innovative Formen erproben”. Für sie gebe es finanzielle Förderung, Begleitung und Coaching.

Drei Schwerpunkte: Dienstgemeinschaften, Kooperationen, Idenitität

Die drei inhaltlichen Schwerpunkte stellten die Leiterinnen und Leiter der entsprechenden gesamtkirchlichen Arbeitsgruppen vor. Astrid Körner, Pfarrerin in Villach und verantwortlich für den Schwerpunktbereich “Über den Horizont hinaus”, der regionale und überregionale Zusammenarbeit in den Fokus rückt, ermutigte künftige Projektgruppen dazu, traditionelle Gemeindegrenzen in Frage zu stellen. “Die Anforderung, sämtliche Angebote der Kirche weiter zu erhalten und gleichzeitig den Bedürfnissen einer säkularen Gesellschaft gerecht zu werden ist für eine einzelne Gemeinde oft nicht mehr zu bewältigen. Oft kommt dann das zu kurz, was eigentlich gut gelaufen wäre.” Kooperationen könnten hier entlasten und Strukturen verschlanken.

In “Leuchträumen des Evangeliums” solle die österreichische evangelische identität gestärkt werden, betonte Andreas Hochmeir, Pfarrer in Wallern und Senior der Diözese Oberösterreich. Dazu wolle man zunächst fragen, wo jeder und Einzelne “von Jesus Christus berührt” worden sei; dann wolle man darüber ins Gespräch kommen, Menschen neu zum Glauben und zum christlichen Leben einladen. Dazu brauche es “Orte der Innovation und Kreativität”. Schließlich werde “die evangelische Kultur nach außen strahlen”.

Die niederösterreichische Synodale Christine Wogowitsch aus Bruck an der Leitha betonte die Bedeutung des Miteinanders von Haupt- und Ehrenamtlichen, das den Schwerpunkt der dritten Säule “Gemeinsam dienen” bildet: “Das Priestertum aller Gläubigen ist in den Hintergrund getreten. Zugleich ist die Attraktivität kirchlicher Berufe oft nicht besonders hoch”, umriss sie die Problemlage. Potenziale lägen “in demokratischen Strukturen, im presbyterial-synodalen Prinzip und in der professionellen Aus- und Weiterbildung”.

Zum Ablauf

Bewerbungen von Gemeinden, Initiativen und Regionen für Projekte in Erprobungsräumen sind ab sofort bis September möglich. Erprobungsräume müssen mindestens einem der drei inhaltlichen Schwerpunkte zuordenbar sein. Zudem gibt es sieben Kriterien, die nicht alle erfüllt sein müssen, aber als Orientierung dienen sollen: So soll in Erprobungsräumen, “die Gemeinde Jesu Christi neu gelebt” werden; sie sollen die “bisherige volkskirchliche Logik” überschreiten, Kirchenferne erreichen, und sich an gegebene Kontexte anpassen. Freiwillige seien an verantwortlichen Stellen in die Projekte einzubinden, alternative Finanzquellen zu erschließen oder Einsparungspotenziale zu orten, und “gelebte Spiritualität” solle in ihnen einen zentralen Raum bekommen.

Für einzelne Projekte stehen Förderungen bis zu 50.000 Euro zur Verfügung. Alle eingereichten Projektvorschläge werden gesichtet und verglichen und von der Steuerungsgruppe mit Bischof Chalupka, Projektmanager Todjeras und den Verantwortlichen der Arbeitsgruppen sowie den Superintendenzen beurteilt. Die finale Entscheidung über die Projektvergabe liegt beim Kirchenpresbyterium.

Abgerundet wurde der Abend mit interaktiven Elementen über die Plattform Mentimeter. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Grazer Indieband “Herr Kinsky”.

In den nächsten Monaten finden “Online-Stammtische” zur Information und Inspiration statt. Im Herbst solle es zudem einen Projekttag geben. Alle Informationen zum Projekt, zu den Anträgen und den Online-Stammtischen unter www.evang.at/ael oder im Projektbüro bei Elisabeth Jungreithmayr (ael@evang.at oder +43 699 188 77 036, Di-Do 13-17 Uhr).