By MW

Maria Katharina Moser über unsere Gotteskindschaft

Wir alle brauchen ein Dach über den Kopf. Wir alle brauchen vier Wände, die uns Schutz bieten. Wir alle brauchen eine Tür, die wir zumachen können, wenn wir uns zurück ziehen wollen, und aufmachen, wenn uns der Sinn nach Gesellschaft und Gemeinschaft steht. Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Wir alle brauchen sie, diese sichere Höhle, in der wir wohnen. Und wir alle brauchen Menschen, die mit uns das Leben gestalten, damit die Höhle nicht nur äußeren Schutz bietet, sondern Geborgenheit. Ganz besonders brauchen das Menschen, die seelisch verletzt sind.

Vergangenes Wochenende durfte ich mit einem Festgottesdienst die Eröffnung einer solchen Wohnstätte feiern: In der sozialpsychiatrischen Wohngemeinschaft „Mosaik“ der Diakonie in Gols finden 10 Menschen ein Zuhause. Den Wohnräumen angeschlossen sind eine Werkstätte und ein Verkaufsraum, in dem BewohnerInnen und GolserInnen zusammenkommen können. Angehörige, MitarbeiterInnen der Diakonie, Menschen von Firmen, die mitgebaut haben am Haus, Partnerfirmen vom Bäcker über die Fußpflegerin bis zur Versicherung, VertreterInnen von Politik und Kirchen und viele Golser und Golserinnen, sie alle sind gekommen, um mitzufeiern. „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder und Schwestern einträchtig beieinander wohnen!“ Dieser Vers aus Psalm 133 ist da in den Sinn gekommen.

„Siehe!“ fordert der Psalm auf. Schau hin! Was da passiert, ist nicht alltäglich, ein kleines Wunder, das man nicht so oft sieht! Gott selber schaut darauf, mit Liebe und Wohlgefallen, mögen es viele Menschen ins Auge fassen! Denn „fein und lieblich“ ist’s, gut und wonnig, heilsam und genüsslich, wenn Brüder und Schwestern einträchtig beieinander wohnen.

Dass die, die beieinander wohnen, in der Wohngemeinschaft und in der Golser Nachbarschaft, „Brüder und Schwestern“ sind, dieser Gedanke gefällt mir besonders. Brüder und Schwestern sind zugleich verschieden und verbunden. Der Blick auf Familien führt das plastisch vor Augen: Geschwister können total verschieden sein. Aber sie gehören zusammen. Christlich findet die Zusammengehörigkeit in Verschiedenheit Ausdruck in der Gotteskindschaft: Jeder Mensch ist wertvoll, und alle Menschen sind gleich viel wert – weil wir alle Kinder Gottes sind. Etwas am Menschen ist heilig und verlangt daher Achtung. Die Gotteskindschaft ist – zusammen mit der Gottebenbildlichkeit – das biblische Fundament, auf dem die Menschenrechte gründen. Und wohnen ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern ein Menschenrecht. Siehe also, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder und Schwestern einträchtig beieinander wohnen.