By MW

Maria Katharina Moser will dem Tod den den Stachel ziehen

Ein Jahr geht zu Ende. Das Kirchenjahr. Nächsten Sonntag beginnt mit dem ersten Adventsonntag für die römisch-katholische und die evangelischen Kirchen das neue Kirchenjahr. In den evangelischen Kirchen wird am heutigen letzten Sonntag im Kirchenjahr der Ewigkeitssonntag begangen und der Entschlafenen gedacht.

„Im 84. Lebensjahr sanft entschlafen“ wird gerne auf Partezetteln formuliert. Unter Todesanzeigen auf Social Media posten viele: „RIP – rest in peace, ruhe in Frieden“. Das Bild vom Tod als sanftem Schlaf ist ein Trostbild. Ich kann dem viel abgewinnen. Die Vorstellung, dass unsere lieben Verstorbenen Ruhe gefunden haben, ist eine Form, den Schrecken des Todes, der oft mächtig, gewaltvoll und unkontrollierbar in unser Leben einbricht, einzuhegen. Eine Form, die Angst vor der Endlichkeit zu beruhigen. Es wird ein gutes, ein friedliches Ende nehmen. Gleichzeitig finde ich die Vorstellung von „ewiger Ruhe“ auch befremdlich. Ewige Ruhe fühlt sich bedrückend an und auch ein bisschen langweilig.

Die evangelische Tradition bietet noch ein Bild, das mich persönlich anspricht: die fröhliche Auferstehung. Auf Inschriften auf evangelischen Grabmälern aus der Reformationszeit ist zu lesen: „Möge Gott ihm eine fröhliche Auferstehung schenken.“ Tod und Sterben waren im späten Mittelalter allgegenwärtig, Angst vor dem Fegefeuer und jüngstem Gericht haben den Umgang mit dem Sterben geprägt. Seelenmessen sollten Gottes Gnade für die armen Seelen erwirken. Mit der Reformation ändert sich das. Das Fegefeuer hält Luther für ein „Lügenfeuer“. „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?“ dichtet er in seinen „Begräbnisgesängen“ von 1542. Der Angst vor Tod und Verdammnis setzt Luther die Hoffnung auf die Auferstehung, die Gott den Glaubenden „allein aus Gnade“ schenkt, entgegen. Dass diese Auferstehung eine fröhliche ist, stimmt mich persönlich hoffnungsfroh in diesen tristen Novembertagen. Fröhliche Auferstehung fühlt sich leicht an.

„Aber wie soll man Leichtigkeit verspüren angesichts der schrecklichen Verluste, dieser bedrückenden Abschiede für immer?“, fragen Sie jetzt vielleicht. Ich denke, manchmal finden wir im Bild vom Ruhen in Frieden Trost, und manchmal im Bild der fröhlichen Auferstehung. Die Hoffnung auf ewige Ruhe kann die Angst vor der Hölle besiegen, und die fröhliche Auferstehung dem Tod den Stachel ziehen.