By MW

Michael Chalupka über einen Urlaub und eine Flucht

Die Zulassungszahlen für Wohnwägen und Wohnmobile steigen Jahr für Jahr. Auch in diesem durch Corona geprägten Sommer haben sich wieder einige der fahrenden Eigenheimfraktion angeschlossen. In den eigenen vier Wänden und doch in der Ferne, das entwickelt gerade dann, wenn man anderen nicht zu nahe kommen möchte, einen gewissen Reiz.

Als Jugendlicher habe ich viele Sommer mit meinen Eltern im Wohnwagen verbracht. Meist fuhren wir nach Griechenland. Eine beschwerliche Anreise wurde durch damals noch leere Campingplätze, weite Strände und glasklares Wasser mehr als wettgemacht. Mir diente der Wohnwagen als Büchertransporter. So schuf ich mir eine kleine theologische Bücherwelt im Vorzelt, ein weiteres Schneckenhaus im fahrenden, väterlichen Schneckenhaus.
Dadurch kamen wir gut miteinander aus, meine Eltern und ich, der pubertierende Jüngling.

Nur einmal brach die Realität in dieses Schneckenhaus ein. Im Sommer 1974 standen plötzlich Panzer vor der Tür. Die Türkei war in Zypern einmarschiert, und Griechenland bereitete sich auf einen Krieg vor. Wir reihten uns ein in die langen Kolonnen, die versuchten, das Land zu verlassen. Es fühlte sich an wie eine Flucht. Es war nur ein leiser Anklang, wie es sein muss, wirklich Flüchtling zu sein. Schließlich fuhren wir zurück in die Sicherheit eines auch damals schon reichen Landes. Doch das Kinderherz hat sich die Angst gemerkt.