By MW

Kritik an Zwang zur Selbstoptimierung in SAAT-Gastkommentar

Wien (epdÖ) – Kritik an einem gesellschaftlichen Imperativ der Selbstoptimierung, Selbstfindung und Selbstverwirklichung übt der Wiener evangelische Theologe und Ethiker Ulrich Körtner. “‘Sei du selbst!’, lautet der Imperativ in Gesellschaft und Kultur. Jedermann ist seines Glückes Schmied, sofern es gelingt, sich nicht nur selbst zu verwirklichen, sondern zugleich auch noch zu optimieren”, schreibt Körtner in einem Gastbeitrag für die evangelische Zeitung SAAT (Juli-Ausgabe). Es genüge nicht, “mit sich selbst identisch zu sein, also mit sich selbst im Reinen und zufrieden zu sein, sondern das wahre Ich ist eine beständige Baustelle.”

Enttäuschungen seien dabei vorprogrammiert, betont Körtner. Glücksmomente ließen sich nicht unbegrenzt wiederholen, Versagensängste, Trauer, Wut, Neid mündeten letztlich in einer Enttäuschung über sich selbst. Angesichts solcher Erfahrungen stellt Körtner die Frage: “Kann es das überhaupt geben: wahres Leben, das sich nicht nur gut und richtig anfühlt, sondern gut und richtig ist? Oder muss das wahre Leben ein schöner Traum, eine Illusion bleiben, weil es nun mal kein richtiges Leben im falschen gibt, wie der Philosoph Theodor W. Adorno gesagt hat?”

Die Antwort liefert Körtner prompt nach: “Wahres Leben, richtiges im falschen, ist eine Sache des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Glaube, Liebe und Hoffnung können Menschen aus der platten Diesseitigkeit befreien.” Gott liebe alle Menschen bedingungslos und wolle, dass sie zur Wahrheit über sich selbst gelangen. “Die Wahrheit, so heißt es, wird uns frei machen. Sie macht uns frei vom Zwang, etwas aus uns selbst machen zu müssen, und befreit uns von der Angst vor Bedeutungslosigkeit, die in der modernen Gesellschaft grassiert.”

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Von Ulrich Körtner ist kürzlich das Buch “Wahres Leben. Christsein auf evangelisch” erschienen: www.eva-leipzig.de