By MW

Entspreche nicht Zeitgeist, sondern „Geist des Evangeliums“

Wien (epdÖ) – Gegen die Auffassung, bei der nun möglichen öffentlichen Segnung homosexueller Partnerschaften in der Evangelischen Kirche A.B. handle es sich um eine „Ehe light“, hat der Theologe Ulrich Körtner in der Tageszeitung „Die Presse“ Stellung bezogen. In einem Gastkommentar vom Mittwoch, 13. März, antwortet Körtner – selbst Mitglied des theologischen Ausschusses der Synode A.B. – auf einen Leitartikel von Dietmar Neuwirth, der die nun beschlossene Regelung unter diesen Titel gestellt hatte.

„Es gibt in der evangelischen Kirche keine ‚Ehe light‘, und zwar für niemanden“, schreibt Körtner. Die Kirche halte zwar am biblischen Leitbild der Ehe als lebenslanger Verbindung von Mann und Frau unverändert fest. „Lässt es sich aber theologisch begründen, dass auch eine verbindlich gelebte monogame gleichgeschlechtliche Partnerschaft, die durch Freiwilligkeit, lebenslange Treue, wechselseitige Fürsorge in guten wie in schlechten Zeiten bestimmt ist, dem Leitbild der Ehe nach reformatorischem Verständnis entspricht, dann sind solche Lebensbünde, wenn sie in einer rechtlich verbindlichen Weise geschlossen werden, kirchlich zu achten und positiv zu würdigen.“ Diese „Aufwertung“ solle mit dem Begriff „eheanalog“ zum Ausdruck gebracht werden, der jetzt in den Beschluss der Synode Eingang gefunden hat. Dieser sei jedenfalls keine Anpassung an den Zeitgeist, sondern handle „aus dem Geist des Evangeliums im Hören auf das Zeugnis der Heiligen Schrift“.

Ehe „kein Sakrament“

Dass das Wort „Trauung“ vermieden werde hat für Körtner ebenso theologische Gründe. Denn auch die Trauung von Mann und Frau sei bisher schon nichts anderes als ein „Dank und Segensgottesdienst“ für eine zivilrechtlich eingegangene Ehepartnerschaft gewesen. Der Synodenbeschluss hält dies nun sowohl für homo- als auch für heterosexuelle Paare explizit fest. Die Ehe sei nach evangelischem Verständnis eben kein Sakrament, sondern, mit den Worten des Reformators Martin Luther, „ein weltlich Ding“.

Dass sich Pfarrgemeinden explizit für die Segnung homosexueller Partnerschaften aussprechen müssen und PfarrerInnen diese aus Gewissensgründen ablehnen können sieht Körtner als Basis, auf der es gelingen „soll und wird, trotz unterschiedlicher Standpunkte die Einheit der evangelischen Kirche zu wahren“. Im Vorfeld hatten kircheninterne KritikerInnen der Ehe für alle regelmäßig auf die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Kirche im Fall ihrer Einführung verwiesen.

Den vollständigen Kommentar von Ulrich Körtner finden Sie auf https://diepresse.com