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Deutschland: Aschermittwochgebet mit Vertreter*innen aus Kirchen und Politik

Dortmund/Berlin/Hannover/Wien (epdÖ) – Als “klaren europäischen Rechtsbruch” hat der Asyl-Experte der Diakonie Österreich, Christoph Riedl, die Situation in den Flüchtlingslagern Griechenlands und Bosnien-Herzegowinas bezeichnet. Im Rahmen eines politischen Aschermittwochgebets für Lesbos und in Lipa forderte er die Einhaltung “internationaler humanitärer Mindeststandards” ein. Was sich die Menschen wünschten sei “Sicherheit vor Verfolgung und eine Zukunft”, betonte Riedl, der das Lager Kara Tepe auf Lesbos im Dezember vergangenen Jahres besucht hatte. Wie er drückten bei dem von der deutschen Gruppe “Politisches Nachtgebet” initiierten Online-Gottesdienst unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Volker Kauder, die Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtags, Aminata Touré (Bündnis 90/Die Grünen), und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ihr Entsetzen über die Situation an den Außengrenzen der EU aus.

Touré: “Schaffen es nicht, unserer Verantwortung gerecht zu werden”

“Wirklich erschreckend ist, dass, während Verhandlungen stattfinden, Menschen leiden. Kinder wachsen unter diesen Umständen auf, weil wir es als Politik nicht schaffen, dort unserer Verantwortung gerecht zu werden”, sagte die Landespolitikerin Touré. Sie bemängelte zudem ein Fehlen von Empathie in der europäischen Gesellschaft. Zudem würde der Zusammenhang zwischen den Themenbereichen Flucht, Migration und Rassismus oft nicht begriffen, der hinter der Debatte um Asylpolitik stehe: “Wir haben die Vorstellung, dass Rassismus nur etwas ist, das Neonazis in Springerstiefeln verüben.”

Kauder: “Europa drauf und dran, Ruf als Ort der Menschenrechte zur verspielen”

Er sei sehr betroffen und könne es fast nicht glauben,”dass mitten in Europa, das von der christlich-jüdischen Tradition geprägt ist, so etwas Unfassbares geschieht”, bekannte der Abgeordnete und frühere Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag, Volker Kauder. Europa sei “drauf und dran”, seinen Ruf als Ort der Menschenrechte zu verspielen. “Dies ist eine Schande für Europa.” Selbst wenn die Europäische Union jedes Jahr eine Million Geflüchtete aufnähme, “würde das niemand spüren”.

Bedford-Strohm: Bitte um Mut für Einsatz für Geflüchtete

In einer Fürbitte erbat der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm von Gott “die innere Kraft, immer wieder von neuem den Blick zu öffnen für die Menschen an den Grenzen, die ohne Perspektive festsitzen, deren Würde verletzt wird, die schutzlos Kälte und Nässe ausgesetzt sind.” Auch bat er um den Mut, “auf ihr Schicksal hinzuweisen, zu tun, was wir selbst tun können, und in Politik und Gesellschaft dafür einzutreten, dass endlich geholfen wird.”

Durch den virtuell gestalteten Abend auf Zoom führten Pfarrerin Lioba Diez von “Spirit & Soul” einem “Projekt für engagierte Spiritualität” in Berlin, und Pfarrerin Christina Biere, vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Die musikalische Gestaltung lag bei Vera Hotten, Musikpädagogin und Chorleiterin in Dortmund.

Die Aufzeichnung des Aschermittwochgebets finden Sie auf www.youtube.com