By MW

Kooperation von Kirchen und Land Oberösterreich

Traun (APA/epdÖ) – Oberösterreich bekommt einen Gedenkort für Menschen, die auf der Flucht gestorben sind. Er soll am Linzer Stadtfriedhof im Stadtteil St. Martin in der Nachbarstadt Traun entstehen und am 15. Oktober eröffnet werden. Das kündigten die an dem Vorhaben Beteiligten in einer Pressekonferenz am Montag, 7. Mai, am künftigen Standort an. Der Gedenkort wird unter der Projektleitung der römisch-katholischen Diözese Linz in Kooperation mit dem Land Oberösterreich, der Evangelischen Kirche A.B., der Islamischen Religionsgemeinschaft, den Städten Linz, Traun und Leonding sowie dem Stadtfriedhof errichtet.

„Das Sterben auf der Flucht ist in aller Regel ein leises, stilles Sterben, im toten Winkel der Weltöffentlichkeit“, macht der Projektinitiator- und Koordinator Stefan Schlager von der römisch-katholischen Diözese Linz aufmerksam. Der Gedenkort soll an jene Menschen erinnern, die beispielsweise im Mittelmeer, auf der Balkanroute oder in einem der Lager in Libyen und darüber hinaus ihr Leben verloren haben. Eine Statistik weist alleine im Mittelmeer 22.000 Personen seit 2014 aus. Er soll auch ein Trauerort für Angehörige sein, die zu keinem Grab ihrer Verstorbenen gehen können oder zumindest an dieses denken können. Darüber hinaus soll regelmäßig am „Langen Tag de Flucht“ des UNHCR ein multireligiöses Totengedächtnis stattfinden, zu dem auch Menschen eingeladen sind, die keiner Religion angehören.

Für den Gedenkort wird der Entwurf „Vor Augen / In Sight“ in Form einer „wall of names“ des in Wien lebenden Künstlers Arye Wachsmuth realisiert. Er wurde von einer Jury aus sechs eingereichten Projekten ausgewählt. Ihm geht es um die Möglichkeit einer aktiven Erinnerung sowohl als Beitrag gegen das Vergessen als auch um ein Hoffnungssymbol für eine Veränderung. „In meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit der Geschichtsaufarbeitung Österreichs. Seit 2013 wurde sie immer politischer und aktueller. In meiner fotografischen Arbeit war mir zunehmend bewusst, dass ich auch zu einem Zeitzeugen wurde“, schilderte er. Wachsmuth hat 2015 angefangen, Direkthilfe für Menschen auf der Flucht zu leisten und dabei auch die Elendssituation zu dokumentieren – beginnend an den Grenzen Österreichs, dann in Ungarn und Serbien, später in Griechenland und zuletzt in Bosnien.