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665.000 Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht der Kirchen

Wien (epdÖ) Der Ökumenische Rat der der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat die Bedeutung des Religionsunterrichts hervorgehoben. In einer am Freitag vom ÖRKÖ-Vorstand veröffentlichten Erklärung wird zugleich die Einführung des Ethikunterrichts für all jene Schülerinnen und Schüler begrüßt, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen. Damit sei künftig gewährleistet, dass sich auch diese Kinder und Jugendlichen in der Schule auf strukturierte Weise mit ethischen Fragen auseinandersetzen, heißt es in der Erklärung. Der ÖRKÖ-Vorstand hofft in der Praxis auf faire Bedingungen für beide Unterrichtsfächer.

Der ÖRKÖ weist darauf hin, dass rund 665.000 Kinder und Jugendliche in Österreich den Religionsunterricht besuchen. Bei den Schulpartnern genieße der Religonsunterricht hohes Ansehen. “Unser Dank und unsere Anerkennung gebührt dabei vor allem den tausenden Religionslehrerinnen und Religionslehrern, die ihre Schülerinnen und Schüler mit Engagement auf ihrem Weg ins Leben begleiten”, unterstreicht der ÖRKÖ.

Ethik und Religion seien freilich keine Gegensätze. „Ethische Aspekte sind ganz grundlegend Teil von Religion, geht es doch etwa um Fragen des sozialen Zusammenlebens, um Friede, Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung oder Menschenrechte“, so der ÖRKÖ wörtlich. Deshalb „war und ist Ethik auch schon immer ein ganz wesentlicher Bestandteil des Religionsunterrichts“. Die Religionslehrkräfte agierten dabei in transparenter Weise vor dem Hintergrund ihres persönlichen Glaubens und der Kirche(n), in deren Namen sie den Unterricht abhalten.

Aus Sicht des ÖRKÖ-Vorstands spricht auch nichts gegen die Qualifizierung von Religionslehrkräften zu Ethiklehrer*innen. Im Ethikunterricht würden diese freilich nicht ihre Kirchen vertreten, sondern agierten ausschließlich auf Basis des Lehrplanes. Eine von mancher Seite beschworene absolute Werteneutralität im Unterricht gebe es freilich nicht, wird in der Erklärung betont.

Durch die Einführung des neuen Unterrichtsfachs Ethik würden sich für die Schulen sicher einige Herausforderungen ergeben, vor allem administrativer und organisatorischer Art. Umso wichtiger sei es, „dass es an den einzelnen Schulstandorten eine gute Kooperation zwischen den Fächern Ethik und Religion gibt“, so der ÖRKÖ: „Wir hoffen sehr auf faire Bedingungen für beide Unterrichtsfächer und begrüßen jegliche enge Kooperation zwischen den beiden Gegenständen.“ Vor allem für die kleineren Kirchen sei die Organisation des Unterrichts mitunter eine große Herausforderung, „die mit viel Engagement bewältigt wird“. Dafür gebühre allen Verantwortlichen Respekt und Dank.

Vielfältiger Religionsunterricht

In einer Online-Übersicht auf www.oekumene.at hat der ÖRKÖ Zahlen zum Religionsunterricht der Kirchen veröffentlicht. Rund 586.000 Schülerinnen und Schüler nehmen in Österreich am katholischen Religionsunterricht teil. Das sind mehr als 91 Prozent aller katholischen Schüler im Land. Dazu kommen zusätzlich rund 25.000 Schüler ohne religiöses Bekenntnis, die den katholischen Religionsunterricht freiwillig besuchen.

Den evangelischen Religionsunterricht besuchen rund 35.000 Schülerinnen und Schüler. Der Unterricht wird gemeinsam von der Evangelischen Kirche A.B und H.B. sowie der Methodistischen Kirche getragen.

Der orthodoxe Religionsunterricht wird von ca. 15.200 Kindern und Jugendlichen besucht. In Österreich haben sieben orthodoxe Kirchen feste Strukturen: die Griechisch-orthodoxe Kirche (Ökumenisches Patriarchat), das Patriarchat von Antiochien, die Russisch-orthodoxe, Serbisch-orthodoxe, Rumänisch-orthodoxe, Bulgarisch-orthodoxe und Georgisch-Orthodoxe Kirche. Schüler wie Lehrer gehören einer dieser sieben eigenständigen oder auch anderen orthodoxen Kirchen an, es gibt aber nur einen gemeinsamen Unterricht.

Religionsunterricht bieten auch die Orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich an: Die Koptisch-orthodoxe Kirche, Syrisch-orthodoxe Kirche und die Armenisch-apostolische Kirche kommen zusammen auf mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler. Auf rund halb so viele Kinder und Jugendliche im Religionsunterricht kommt die Altkatholische Kirche.

Knapp 2.070 Schülerinnen und Schüler besuchen den Religionsunterricht der gesetzlich anerkannten Freikirchen (Bund der Baptistengemeinden, Bund Evangelikaler Gemeinden, Elaia Christengemeinden, Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde und Mennonitische Freikirche).

270 Kinder und Jugendliche besuchen den Religionsunterricht der Neuapostolischen Kirche. Die Neuapostolische Kirche ist seit dem Frühjahr 2021 Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Bei den Zahlen handelt es sich laut ÖRKÖ um die Angaben aus dem letzten Schuljahr. Die Daten für das aktuelle Schuljahr 2021/22 werden erst in einigen Wochen feststehen.