By TD

Ohne Gesang fehlt der Seele eine Ausdrucksmöglichkeit, meint Michael Chalupka.

Die Stimme ist eingerostet. Acht Wochen gab es coronabedingt keinen Gottesdienst und damit auch keinen Gesang. Das hat auch seinen guten Grund, denn beim Singen ist die Gefahr einer Infektion groß. Das wissen wir aus Berichten von Chorproben in Seattle und Amsterdam, aber auch in Österreich, die zu Infektionsketten geführt haben.
Nun habe ich es wieder probiert. Singen gehört ja sozusagen zum Geschäft eines Pfarrers. Es war kläglich anzuhören. Die Stimmbänder brauchen Übung.

Nun wurde und wird nicht nur in den Kirchen gerade nicht gesungen. Im Musikunterricht darf nicht mehr gesungen werden. Alle Chöre mussten ihre Proben unterbrechen und wissen auch noch nicht, wann sie sie wieder aufnehmen können. Gerade in Österreich erfüllen Chöre nicht nur eine kulturelle Funktion, sondern auch eine soziale. Wer je in einem Chor gesungen hat, kennt dieses besondere Gemeinschaftsgefühl, wenn es gelingt, aufeinander zu hören, und weiß, dass der Applaus des Publikums der Seele gut tut.

In einem Lied von Paul Gerhard, mitten im Kriege geschrieben, heißt es: „Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.“ Ohne den Gesang fehlt der Seele eine Ausdrucksmöglichkeit. Schon deswegen hoffe ich, dass das Virus sich bald zum Teufel scheren möge. Bis dahin bereite ich mich auf den zukünftigen, gemeinsamen Gesang vor und singe täglich unter der Dusche.