By MW

Superintendent Dantine: “Brauchen Perspektivenwechsel” – Landesrätin Fischer: “Vielfalt zeichnet uns aus” – Bischof Glettler: “Integration bleibt Großbaustelle”

Innsbruck (epdÖ) – Auf die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen im Bereich der Integration von Menschen auf der Flucht haben in Tirol Spitzen von Land und Kirchen hingewiesen. “Ziel von Integration muss es sein, im Sinne von Inklusion die gesellschaftliche Teilhabe aller in Österreich lebenden Menschen zu ermöglichen und ihnen im Sinne universeller Menschenrechte Zugang zu grundlegenden Rechten und Chancen zu öffnen und zu gewährleisten”, heißt es in einem im Rahmen einer Pressekonferenz vorgelegten Papier. Bei dem Medientermin am Donnerstag, 10. Juni, im Innsbrucker Haus der Begegnung forderte der evangelisch-lutherische Superintendent Olivier Dantine einen “Perspektivenwechsel” ein. “Seit ich die Asyl- und Migrationspolitik in Österreich verfolge, erlebe ich, dass von vielen politischen Seiten die Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen in erster Linie als Sicherheitsproblem kommuniziert wird. Verkennend, dass es die Flüchtlinge selbst sind, die Sicherheit bei uns suchen.”

Das präge die gesellschaftliche Diskussion, in der die Angst dominiere, die oft zu pauschaler Abwertung führe. “Integration ist in so einem Klima nicht möglich, die Klage über mangelnde Integration wiederum verstärkt das Gefühl der Bedrohung.” Wo Begegnungen mit geflüchteten Menschen passieren, könnten Ängste abgebaut und die Betroffenen als Bereicherung wahrgenommen werden, so Dantine.

Fischer: “Gesellschaft seit Menschengedenken von Diversität geprägt”

„Unsere Gesellschaft ist von Vielfalt und Diversität geprägt – und das schon seit Menschengedenken. Diese Vielfalt zeichnet uns aus, macht uns stärker und eröffnet neue Perspektiven“, zeigte sich Integrationslandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) überzeugt. Um dieses Potenzial zu erkennen und sich entfalten zu lassen, brauche es die gesellschaftliche Teilhabe aller in Österreich lebenden Menschen: Der Zugang zu grundlegenden Rechten und Chancen und die gemeinsame gesellschaftliche Weiterentwicklung auf Augenhöhe sei dabei maßgeblich.

Glettler: “Konstruktives Zusammenleben in Tirol kein Fremdwort”

„Ein konstruktives, respektvolles Zusammenleben ist in Tirol zum Glück kein Fremdwort. Zahlreiche Integrationsangebote in den Bereichen Spracherwerb, Elementarpädagogik und Schule, Arbeit und Freizeit, Wohnen und Stadtteilentwicklung machen dies möglich“, hob Bischof Hermann Glettler hervor und verwies auf die vielen Pfarren und kirchliche Einrichtungen, die sich mit großer Leidenschaft engagieren: „Ich appelliere an die öffentliche Hand, den Ausbau von Integrationsprojekten weiterhin zu fördern.Integration wird auch in Zukunft eine gesellschaftliche Großbaustelle sein, die viel gestalterische Professionalität, Herzblut und Menschlichkeit erfordert“, so Glettler.

Ertl-Stigger: “Braucht besondere Begleitung”

Andrea Ertl-Stigger, Fachbereichsleiterin Beratung der Caritas Tirol, sieht den Zugang zu Bildung, Ausbildung und die Begegnung mit der Mehrheitsgesellschaft als zentral für die aktive Teilhabe geflüchteter Menschen. „Integration gelingt, wenn die Voraussetzungen und Angebote dafür vorhanden sind und weiter geschaffen werden“, so Ertl-Stigger. Die Caritas Tirol verfüge daher über ein breites Angebot für geflüchtete Menschen, denn: „Gerade am Beginn des Integrationsprozesses braucht es besondere Begleitung und entsprechende Rahmenbedingungen.“

Gampert: Jährlich Starthilfe für 1.900 Menschen

Diese Rahmenbedingungen sind auch für Andreas Gampert, Leiter des Fachbereichs Integration und stellvertretender Geschäftsführer des Diakonie Flüchtlingsdienstes, wichtig: „Genau an diesen Grundlagen für gelungene Integration arbeitet der Diakonie Flüchtlingsdienst in Innsbruck, Telfs, Imst und Wörgl in Form von ‚One-Stop-Shops‘: Wir stellen jährlich eine Starthilfe für etwa 1.900 Menschen sicher – diese ist neben den gesellschaftlichen, politischen Voraussetzungen für gelingende Integration notwendig, um für jene Menschen, die sich hier in Tirol ein neues Leben aufbauen wollen, eine stabile Basis im Sinne einer gesicherten Existenz, Werkzeug, Wissen und Orientierung zu sichern.“