By MW

Maria Katharina Moser sucht einen Ausweg aus der Schuld

Unlängst hat mir eine kleine Wanderung eine Erfahrung beschert, die mich nachdenklich gestimmt hat. Ich bin mit einem guten Freund durch die südburgenländliche Hügellandschaft gestapft, auf einem schönen Feldweg. Irgendwann war der Weg aus, vor uns lag ein Wiesenstreifen, rechterhand ein Maisfeld, linkerhand der Waldrand. Wir wollten nicht umkehren und gingen weiter den Wiesenstreifen entlang. Wobei mein linker Unterschenkel ordentlich Brennnesseln streifte. Nach einer Weile standen wir vor einem Wald. Wir wollten immer noch nicht umkehren und schlugen uns ins Dickicht. Der Erfolg war, dass mir die Zweige auch noch die Arme zerkratzen. Das Gestrüpp wurde dichter statt lichter. Schließlich beschlossen wir, doch umzukehren. Wir waren auf dem sprichwörtlichen Holzweg (auch wenn es in diesem Fall ein Feldweg war, der nicht dem Abtransport von Holz, sondern der Zufahrt für Traktoren dient).

Diese Erfahrung erinnerte mich an ein Gespräch über Schuld, das ich im Religionsunterricht mit Schülern und Schülerinnen in der 4. Klasse Gymnasium geführt habe. Eine Schülerin erzählte, dass sie ein Mädchen mit einer Aussage sehr verletzt hatte. Sie hatte deshalb ein schlechtes Gewissen, es tat ihr wirklich leid. Allerdings hatte sie erst später kapiert, wie verletzend ihre Aussage war. Denn zum Zeitpunkt, als sie die Aussage getätigt hatte, wusste sie nichts von den gröberen familiären Problemen des Mädchens – und diese Probleme waren mit ein Grund, warum ihre Aussage so verletzend war. „Es war nicht Absicht, und ich wusste gar nicht, was ich da anrichte“, meinte die Schülerin. „Ist das jetzt Schuld oder einfach ein Fehler?“

Wir können auf dem Holzweg sein, ohne es zu wissen, denke ich mir. Wir merken erst, wenn wir am Ende des Weges stehen, dass wir einen falschen Weg eingeschlagen hatten. Wenn wir feststellen, dass wir auf dem Holzweg sind, ist es Zeit umzukehren. Der Holzweg ist ein Bild für Fehler, Schuld und den Umgang damit: Entscheidend ist, dass wir umkehren, wenn wir erkennen, dass wir auf dem falschen Weg sind. Wenn wir trotzdem weitergehen, dann wird ein Fehler zur Schuld. Und je weiter wir gehen, desto tiefer geraten wir ins Dickicht der Schuld. „Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine“, so formuliert der Beter von Psalm 32 wie das ist, wenn Einsicht nicht zu Umkehr führt.

Wobei für den christlichen Glauben zentral ist: Umkehr ist immer möglich, auch wenn wir uns schon tief im Gestrüpp der Schuld verfangen haben.