By MB

Forderungen nach verstärktem Schulterschluss der Glaubensgemeinschaften für ökosozialen Wandel


Wien (epdÖ) – Großes Interesse für mehr Zusammenarbeit der Religionen in Österreich im Bereich Ökologie und Klimagerechtigkeit haben Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften in Wien bekundet. Bei der Tagung „Dialog für eine Welt“, die die für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Fachstelle der Erzdiözese Wien am Samstag, 2. Oktober, organisierte, wurden die Weltreligionen mit ihren heiligen Büchern und bisherigen Positionierungen zu Klima- und Umweltschutz befragt. Spiritualität könne ein entscheidender Motivator und Sinnstifter für gemeinsames Engagement in diesem Bereich sein – und Religion eine Kraftquelle für einen ökosozialen Wandel, so die gemeinsame Botschaft.

Neben der katholischen und der evangelischen Kirche waren bei der traditionell für ehemalige Entwicklungshelfer ausgerichteten Tagung auch der Islam, die Baha’i-Religion und der Buddhismus vertreten. Zeyneb Elibol, Direktorin der Islamischen Fachschule für soziale Bildung in Wien, machte die Teilnehmer*innen mit der Tradition der Sufis vertraut, auf die Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ (2015) ebenfalls verweist und dabei einen interreligiösen Einsatz auf dem Bereich Klimagerechtigkeit einfordert. Enis Buzar, Umweltbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), sprach von einem wichtigen „Lernen voneinander“. Die weltweite Bedrohung durch den Klimawandel sollte zu einem „weltweiten Schulterschluss der Religionen“ führen, mit gemeinsamer Übernahme von Verantwortung, so der Tenor der Wortmeldungen.

Eine auf „Laudato si“ basierende Initiative der Steyler Missionare präsentierte im Rahmen eines Workshops Pater Franz Helm, Rektor des Missionshauses St. Gabriel bei Wien. Seine Ordensgemeinschaft habe auf Weltebene ein von der Enzyklika inspiriertes Schema entwickelt, das nun bis 2028 die Richtung vorgebe, berichtete der Ordenspriester. In den Bereichen Gebet, Bildung, Aktion und Anwaltschaft gebe es nun jedes Jahr jeweils ein in „Laudato si“ formuliertes Ziel. So geht es zunächst um ein „Antwort geben auf den Schrei der Erde“, gefolgt von der Antwort auf den „Schrei der Armen“, von Ökologie in Ökonomie, Lebensstil, Bildung und Spiritualität, sowie abschließend Maßnahmen zur Bildung von Gemeinschaft. Eigene Indikatoren sollen zeigen, wie weit diese Ziele tatsächlich erreicht werden.

Bei der Weltkirche-Tagung, die unter dem Motto „Viele Religionen – ein Ziel: Klimagerechtigkeit weltweit“ stand, gab es auch Live-Schaltungen zu Expert*innen aus dem globalen Süden. So schilderte etwa eine in Umweltprojekten in Kampala Tätige die Auswirkungen der Klimakrise auf die Landwirtschaft. Immer mehr Menschen in Uganda mache zu schaffen, dass infolge der Klimaerwärmung das Feuerholz knapp werde, erklärte die Aktivistin. Ein Projektpartner aus Indien berichtete von Ernteausfällen und Erfahrungen mit alternativen Methoden der Reisproduktion. Hingegen konnte ein Referent von den Fidschi-Inseln aufgrund seiner aktuellen Corona-Erkrankung nicht an der Videokonferenz teilnehmen.