Schider Bertlind – Nachruf 2026

27.04. 2026
Die Einschaltquote des ORF hat in seiner Sendung „Pressestunde und Hohes Haus“ eine wartende Zuschauerin weniger. Unsere ehemalige Kuratorin Bertlind Schider war an diesen beiden Sendungen sehr interessiert.
Wir alle waren schockiert als wir von Bertlindes Tod hörten, wollte sie doch bei unserem nächsten Literaturkreis dabei sein.
Das Leben unserer lieben Bertlind wurzelt im österreichischen Bürgertum der ehemaligen Monarchie. Die Mutter war Lehrerin und der Vater Arzt, den sie in ihrem Haus bis zum Tod betreut hatte.
Die gediegene Ausbildung Bertlindes führte zur Freundschaft mit dem rührigen Studenten Siegfried Schider, der in der evangelischen Jugend beheimatet war. So kam sie als liberale Katholikin mit dem „Evangelischen“ in Kontakt. Sport verband beide rasch. Sie heiraten und kamen bald als junge Eheleute ins Außerfern, Bertlind als Lehrerin und Siegfried als wissenschaftlicher Mitarbeiter ins Planseewerk. Bei der Trauung wurde Bertlind evangelisch und war, nicht nur was die Konfession betrifft, im Außerfern als „Zuagroasti“ zunächst fremd, was sich mit der Zeit ändern sollte.
Bertlind war politisch aktiv, in der Schule als Lehrerin am Werdegang aller Schülerinnen und Schüler interessiert und nicht nur in den Fächern Englisch und Geschichte „fest im Sattel“.
Ich habe Bertlind bei einem Gemeindefest der Pfarrgemeinde kennengelernt. In jener Zeit sind einige junge intellektuelle Familien berufsbedingt nach Reutte umgezogen. Unter ihnen gab es auch aktive Evangelische, die unsere Gemeinde erneuerten und frischen Wind brachten. Dazu gehörten auch Schiders.
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Mit Bertlind als Kuratorin hat sich unsere Gemeinde geöffnet und wurde, auch dank zweier Erbschaften, eine selbstständige blühende Pfarrgemeinde. Die Zusammenarbeit mit unserer Mitarbeiterin Mag. Eva Wolf und unserem Schatzmeister DI Manuel Ries war ausgeglichen, was für den Pfarrer sehr entlastend war. Obwohl sie manchmal auch bestimmend sein konnte, suchte sie als Kuratorin immer den gemeinsamen Nenner. Neue MitarbeiterInnen kamen hinzu, die Bertlind förderte. Auch konnte sie die Arbeit des Pfarrers und besonders jene seiner Frau Anne schätzen.
Mit Bertlind haben wir zwei Ausstellung im öffentlichen Raum (Galerie) organisiert, eine über Bonhoeffer und eine über die eigene evangelische Gemeinde.
In der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum unserer Pfarrgemeinde (1958-2008) schrieb Bertlind:
„Evangelischsein im Außerfern, das bedeutet:
600 Menschen verstreut über ein großes Gebiet,
weite Wege, weil die Kirche im Hauptort Reutte steht,
oft alleinsein im Dorf als Evangelische/r,
dass unser Pfarrer viel auf Achse ist, um möglichst viele Menschen zu betreuen,
oft fehlende familiäre Bindungen,
noch immer erklären müssen, dass man Christ ist,
standhaftsein im Glauben, trotz alles Schwierigkeiten.
„Zuagroast“ eben, fremd!
Und doch:
Gemeinschaft, 50 Jahre Evangelische Kirche,
Gottesdienste und Feste, Kreise und Geborgenheit,
gute Gespräche und Ökumene, Natur und Kultur:
Heimat eben, auch geistige!“
Neben der Festschrift „ Zuagroast – Evangelisches Leben im Außerfern“, wofür ich verantwortlich war, gaben wir noch ein Büchlein „Kochrezepte von Evangelischen im Außerfern“ heraus, wofür Bertlind die Verantwortung übernahm.
Mit Bertlind haben wir auch ein „Gustav Adolf – Fest“ gestemmt, was für so eine kleine Gemeinde eine große Herausforderung war.
Gemeinsam haben wir den Eingang zur Kirche neugestaltet. Unser Gemeindeglied David Schmid hatte während seiner Ausbildung Glasmotive zu den 4 Elementen, Feuer, Wasser Erde und Luft, kreiert.
Die Isolierung an der Außenfassade wurde in eigener Regie durchgeführt. Mit Dr. Lohnert, Mag. Kirchmayr und unseren beiden Buben, Mathias und Jörn, arbeiteten wir auf dem Gerüst um die Büros und um das Pfarrhaus.
Das Frauenfrühstück der Pfarrgemeinde hat Bertlind ins Leben gerufen. Später sollte es von Anne Stieger und Brigitte Moritz ökumenisch erweitert werden.
Im Literaturkreis konnten wir Bertlind als sehr belesene Person kennenlernen. Sie diskutierte achtsam und brachte sich ein ohne einem anderen „ins Wort zu fallen“.
So haben wir mit Bertlind das Gemeindeleben nach „innen“ und nach „außen“ lebendig gestaltet, Mitarbeiter gefördert und einiges geleistet als sie Kuratorin war.
Danke, liebe Bertlind, für dein Engagement in unserer Pfarrgemeinde, in der Schule und im gesellschaftlichen Leben unseres Bezirkes. Danke für deine Offenheit in der Entscheidungsfindung in der Arbeit der Pfarrgemeinde und um das gute Klima im Presbyterium.
Ruhe im Frieden des Herrn!
Mag. Mathias Stieger, Pfarrer i.R.